Winter @ Bar Raval

„Kann mal bitte jemand das Licht anschalten? Ich halte diesen Dämmerzustand nicht mehr aus!“ sage ich.

Es ist früher Abend. Die Meterelogen sagen, dass die Sonne schon später untergeht. Ich war heute schon viel unterwegs und habe sie bis jetzt nicht gesehen. „In Spanien haben wir auch Winter.“ Erzählt Atilano. „Aber wir haben ihn mit Wintersonne. Das hilft. Hast du es heute schon mal mit Alkohol probiert?“

„Nee,“ antworte ich. „Aber das ist doch hier ´ne Bar, oder?“ „Steht jedenfalls draußen dran,“ bestätigt Atilano. Wir trinken vom köstlichen GinTonic mit dem wunderbare Gin Ginabell. Ich spüre, wie die Wärme langsam in mir herunterläuft, wie mich das Trauben- und Mirabellenaroma versöhnlicher stimmt. „Gibt viele schöne Art, Sonne zu konservieren.“ Sage ich. „Dieser Gin gehört eindeutig zu den besten!“

„Gebe ich dir Recht. Aber Schokolade ist auch nicht zu verachten.“ Gibt Atilano zu bedenken. „Kakao und Milcheiweiß enthalten viel Typtophan, was die Produktion von Glückhormonen anregt.

“ „Woher weißt du das?“ will ich wissen. Atilano zuckt mir den Schultern: „Ich überlebe als Spanier nicht den ersten Winter in Kreuzberg. Das geht nicht ohne Knowhow.“ Er holt eine Packung Catànies unter dem Tresen hervor, diesen kleinen feinen Köstlichkeiten aus Mandeln und Schokolade

„Ah Mandeln!“ Jetzt weiß ich Bescheid. „Enthalten Calcium, Magnesium und
außerdem Folsäure, ein Vitamin der B-Familie. Gut für die Zellneuteilung.“ Die Catànies sind köstlich, der Gin erzeugt Wärme, erste Schauer einer kleinen
Euphorie machen sich breit.

„Weißte,“ ich schaue über den Tresen und breite die Arme, groß wie die Welt: „Flüssige Sonne, Glückshormone und Zellneuteilung – das ist die reinste Kurpackung. Sollte es auf Rezept geben.“

„Yup,“ bestätigt Atilano. „Aber solange die Kasse das nicht übernimmt, zahlste ganz normal wie immer.“

Berliner Winter. Sie sind die härtesten.

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